Kriminalmuseum: Vortrag

13.01.2026
Sitzungszimmer GEWI, Universitätsplatz 3, 8010 Graz, EG
Kostenlos
Hans Gross Kriminalmuseum: "Dokumentierter Alltag im Schatten der NS-Euthanasie". Zwischen Familienalltag und staatlich organisiertem Verbrechen: Der Vortrag beleuchtet anhand zweier privater Tagebücher, wie Nähe, Mitwisserschaft und Verdrängung den Alltag einer Grazer Arztfamilie im Umfeld der NS-Euthanasie prägten.
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Kriminalmuseum: Vortrag
13.01.2026

Dokumentierter Alltag im Schatten der NS-Euthanasie

Zwei Tagebücher einer Grazer Arztfamilie

 

Der Vortrag widmet sich dem Aspekt des privaten Lebens im Umfeld nationalsozialistischer Verbrechen, konkret am Beispiel einer Arztfamilie, die auf dem Gelände einer an der NS-Euthanasie beteiligten Krankenanstalt wohnte.

 

Dr. Ernst Arlt, Primarius an der damaligen „Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke am Feldhof“ verfasste ein geheimes Tagebuch über die Vorgänge an der Anstalt, welches erst 30 Jahre nach seinem Tod dem steiermärkischen Landesarchiv übergeben werden durfte. Zeitgleich verfasste seine Frau, Herta Arlt geborene Klabinus, ein erst kürzlich wiedergefundenes Tagebuch, in dem sie über ihren Familienalltag am „Feldhof“ berichtet. Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Frage, wie sich familiärer Alltag, Kindheit und häusliche Normalität mit der Nähe zu systematischem Mord vereinbaren ließen – oder eben nicht. Dabei geht es nicht nur um die Biografie des Arztes, der eine sehr ambivalente Persönlichkeit in Bezug auf die NS-Euthanasie gewesen ist, sondern auch um die Wechselwirkung zwischen beruflicher Rolle, ideologischer Einbindung und privater Lebensführung. Welche Routinen bestimmten das Leben auf dem Anstaltsgelände? Wie viel wussten Ehefrau und Kinder von den Vorgängen? Und wie wurde diese Nähe zum Verbrechen in späteren Erzählungen verarbeitet – oder verdrängt?

 

Susanna Arlt, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschafterin sowie Redakteurin und freie Schriftstellerin, legt mit ihrem Vortrag ein besonderes Augenmerk auf Ambivalenz, Mitwisserschaft und die (Un-)Möglichkeit eines „normalen“ Familienlebens inmitten staatlich organisierter Gewalt. Ziel dieses Beitrags zur Mikrogeschichte des Nationalsozialismus ist es, die komplexe Verflechtung von Alltag und Verbrechen zu reflektieren und zugleich zur kritischen Auseinandersetzung mit familiärer Erinnerungskultur anzuregen.

 

Zeit: Dienstag, 13.01.2026, 18:00 Uhr

Ort: GEWI Sitzungszimmer, Universitätsplatz 3/EG

Kriminalmuseum: Vortrag
13.01.2026
Sitzungszimmer GEWI, Universitätsplatz 3, 8010 Graz, EG
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