Für seine Ausstellung nutzt der steirische herbst ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert am Griesplatz 34, in dem sich zuletzt ein folkloristisches Schnitzellokal befand. Der Bezirk Gries hat sich in jüngster Zeit zu einem politischen Schlachtfeld entwickelt. Rechte meinen hier aufgrund des hohen Ausländer:innenanteils einen „Bevölkerungsaustausch“ vorzufinden und haben im heurigen Kommunalwahlkampf das Straßenbild – Dönerläden und Barbershops in der unmittelbaren Nachbarschaft – als Waffe eingesetzt, um Ängste vor „Unterwanderung“ zu schüren.
Inmitten dieser angefeindeten Gemeinschaft und in diesem Herzen lokaler und europäischer Sorgen entfaltet sich die Ausstellung als Mikrokosmos des häuslichen Lebens in einer politischen Gefahrenzone. Im Inneren der ehemaligen Gaststätte erschaffen die Künstler:innen von Red Flags ein Labyrinth aus fragmentarischen Erzählungen. Jeder Raum bietet eine andere Geschichte – bevölkert von zeitgenössischen Archetypen und marginalisierten Figuren: Detektive, Tradwives, Sektenmitglieder, Camgirls und Vampire. In einer Zeit, in der die Rechte den öffentlichen Raum aggressiv instrumentalisiert, zieht sich die Ausstellung ins Private zurück – nur um zu offenbaren, dass es keinen sicheren Zufluchtsort gibt.
Termine:
26.9.–18.10.
Di, Do und Fr 17:00
Sa 11:00 und 14:00
So 14:00
Freitags im Anschluss Drink and Overthink