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KulturLotsInnen

Follow the Rabbit: Kohlhaas – Moral High Ground

Clemens Nestroy

Held oder Terrorist?
Michael Kohlhaas, erfolgreicher Unternehmer, gebildet, gerecht, hoch anerkannt, glücklich verheiratet, liebevoller Vater dreier Kinder: ein deutscher Bilderbuchbürger. Nachdem ein Landadeliger zwei seiner Pferde schlecht behandelt hat und ihm Kompensation dafür verweigert wird, beginnt Kohlhaas einen schonungslosen Feldzug im Namen der Gerechtigkeit, dem sich immer mehr Menschen anschließen – und dem Unschuldige zum Opfer fallen.
Kohlhaas ist der prototypische Wutbürger, der in einer fast bewunderungswürdigen, aber hochgefährlichen Konsequenz die Definition von Richtig und Falsch in die Hände nimmt und damit seinen eigenen Moralkodex erschafft. Kleists Novelle beschreibt detailliert einen Radikalisierungsprozess, ohne sich klar auf eine Seite zu schlagen und setzt damit einen aktiven Denkprozess über die Rechtfertigung von Gewalt für die “gute Sache” in Gang. “Kohlhaas – Moral High Ground” folgt diesem Ansatz und versucht – neben dem Nacherzählen der Geschichte – Kohlhaas ohnmächtige Wut fühlbar zu machen, seinen Schmerz, seine Brutalität, seinen Abfall vom Glauben an  das System. Radikalisierung ist kein Schalter, der umgelegt wird, sondern ein gradueller Prozess.

Performativer Monolog mit Jonas Werling für Jugendliche ab 14 Jahren
nach der Novelle “Michael Kohlhaas” von Heinrich von Kleist
von Nadja und Martin Brachvogel und Jonas Werling
Eine Koproduktion der Brachvogel & Werling GbR und Follow the Rabbit

HINTERGRUND
Alles eine Frage der Perspektive
Im deutschen Kaiserreich wurde Kleists Kohlhaas als preußischer Held gefeiert, der die typische deutsche Kämpfernatur und Unbeugsamkeit zeige. In der Weimarer Republik begriff ihn die Linke als einen Vorläufer der proletarischen Arbeiterbewegung. Im Nationalsozialismus sah man ihn als die Verkörperung des germanischen Rechtsgefühls. Anfang der 1970er-Jahre bezeichnete ihn der Autor Günter Bartsch als „Prototyp des deutschen  Anarchisten“, und mit seinem Widerstand gegen die Staatsgewalt wurde Kohlhaas nun auch im Kontext der Handlungen der Roten Armee Fraktion (RAF) gelesen. Und genau das zeichnet Kleists Novelle aus: Detailliert wird  eine Radikalisierung beschrieben, ohne Stellung zu beziehen, ohne zu werten.

Die Produktion richtet sich an Menschen, deren Ehre wichtiger ist als ihr Leben, denen das Schicksal übel mitgespielt hat, die ausgespuckt worden sind, deren Stolz unter Beschuss steht, die nichts mehr zu verlieren haben.

Termin:
19.11.2021, 19:30
Kosten:
€ 7,- (statt € 14,-)
Ort:
TaO! – Theater am Ortweinplatz, Ortweinplatz 1, 8010 Graz

Bevorstehende Termine

18.12.2021

Schallfeld Ensemble: Attentional Disorders

MP

Musikalisch-intermedialer Abend, der die Grenzen und Anomalien unserer menschlichen ...

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